Vorderasiatische Archäologie in Mainz

Im Zuge der Konstituierung des SFB 295 (Kulturelle und sprachliche Kontakte) wurde von Seiten der Universität eine neue Professur für Vorderasiatische Archäologie eingerichtet, die 1996 mit Eva A. Braun-Holzinger erstmals besetzt wurde. Sie leitete nicht nur mehrere SFB-Teilprojekte zu interkulturellen Aspekten ikonographischer Forschung, sondern holte auch das DFG-finanzierte Grabungsunternehmen in Haft Tappeh/Iran unter der Grabungsleitung von Behzad Mofidi Nasrabadi nach Mainz. Die Professur wurde am Institut für Ägyptologie angesiedelt. Bibliothek und Arbeitsräume befanden sich auf dem Campus der JGU in einem ehemaligen Kasernengebäude im Friedrich-von-Pfeiffer-Weg 5 in sehr beengten Verhältnissen.

2001 konnte mit einer weiteren neuen Professur für Altorientalische Philologie das wichtigste Nachbarfach der Vorderasiatischen Archäologie an der JGU Mainz verankert werden. Den Ruf erhielt Doris Prechel, deren Schwerpunkte in den Bereichen der Assyriologie und der Hethitologie liegen. 2002 erhielt das Institut die umfassendere Bezeichnung „Institut für Ägyptologie und Altorientalistik“.

Dank diverser Ankäufe und Schenkungen, u.a. der Bibliotheken von Max Freiherr von Oppenheim und Rainer M. Boehmer, entstand in diesen Jahren in Mainz eine Bibliothek für alle Bereiche der Altorientalistik, die trotz ihres jungen Alters über umfangreiche Alt- und Neubestände verfügt. Der neu eingerichtete Magisterstudiengang Altorientalistik konnte mit zwei Studienrichtungen (Archäologie bzw. Philologie) studiert werden. Als die JGU im Vorgriff auf die Bologna-Reform im Jahr 2003 den B.A. Archäologie neu geschaffen hat, wurde die Vorderasiatische Archäologie außerdem als Schwerpunkt in diesen Studiengang integriert.

2009 übernahm Adelheid Otto die Nachfolge E.A. Braun-Holzingers für das Fach Vorderasiatische Archäologie und brachte weitere Forschungsprojekte nach Mainz, die DFG-finanzierte Ausgrabung von Tall Bazi (Syrien), ein französisch-deutsches (ANR/DFG) Projekt zur Historischen Geographie Obermesopotamiens und eine Beteiligung an dem internationalen Grabungsprojekt von Tall Beydar (Syrien), mit dessen Koordination Aaron Schmitt und Alexander Pruß betraut waren.

Dirk Wicke war als Mitarbeiter des SFB 295 nach Mainz gekommen und hat sich 2010 im Fach Vorderasiatische Archäologie habilitiert. Seit 2007 ist er an der Leitung des Grabungsprojektes in Ziyaret Tepe/Türkei beteiligt. 2014 erhielt er einen Ruf an die Goethe-Universität Frankfurt und hat die Professur dort zum Jahresbeginn 2015 angetreten.

Behzad Mofidi Nasrabadi leitet weiterhin das DFG-geförderte Grabungsprojekt in Haft Tappeh/Iran und hat sich 2013 im Fach Vorderasiatische Archäologie habilitiert.

In der Zeit von A. Otto erfolgten einige räumliche und organisatorische Veränderungen des Faches in Mainz. 2011 konnte die Raumsituation durch den Umzug des Institutes in die Hegelstraße 59 entscheidend verbessert werden, was allerdings mit einer deutlichen Entfernung vom Campus und den zentralen Institutionen von Universität und Fachbereich erkauft wurde. 2013 wurde das Institut mit einigen Nachbarfächern zum neu geschaffenen „Institut für Altertumswissenschaften“ vereinigt.

2013 wurde Adelheid Otto an die LMU München wegberufen. Die Professur war daraufhin für ein Jahr vakant und wurde im WS 2014/15 von Astrid Nunn vertreten. Seit April 2015 bekleidet Alexander Pruß den Lehrstuhl für Vorderasiatische Archäologie in Mainz.

Das Studium der Vorderasiatischen Archäologie

Gegenstand:

Die Vorderasiatische Archäologie (VA) befasst sich auf der Grundlage des Studiums archäologischer Quellen mit der Erforschung der sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und historischen Verhältnisse in Alt-Westasien („Alter Orient“). Das Forschungsgebiet umfasst somit im Wesentlichen den heutigen Irak, Iran, Syrien, Türkei, ferner die Staaten der arabischen Halbinsel, die Levante sowie Zypern und den Südkaukasus. Lange konzentrierte sich das Interesse dabei auf Mesopotamien, die Kulturregion entlang des Unterlaufes der Ströme Euphrat und Tigris. Seit einigen Jahrzehnten rücken auch die Nachbargebiete dieser Region vermehrt in den Fokus des Faches.

In chronologischer Hinsicht behandelt das Fach den Zeitraum vom Neolithikum (ab ca. 10.000 v. Chr.) bis zum Ende der Perserzeit (ca. 330 v. Chr.), wobei abhängig vom Selbstverständnis einzelner Forscher/innen und Institute, durchaus auch jüngere Perioden in den Blick genommen werden (z. B. die Zeit der Parther- und Sasanidenreiche).

Archäologische Funde und Befunde bilden die Quellenbasis der VA. Bei Befunden handelt es sich in der Regel um unbewegliche Strukturen, die im Zuge von Ausgrabungen freigelegt bzw. im Gelände dokumentiert werden. Hierzu gehören z. B. Überreste von Gebäuden (Wohnhäuser, Tempel, Paläste etc.) und anderen Strukturen (z. B. Gräber, Terrassen, Einbauten wie z. B. Vorratsgruben oder Öfen etc.) sowie alle Arten von Ablagerungen, deren Entstehung auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind (z. B. Schuttschichten, der Inhalt von Abfallgruben etc.).

Bei den Funden handelt es sich um die einzelnen beweglichen Objekte, die sich (bestenfalls) mit einem archäologischen Befund in Beziehung setzen lassen. Hierzu gehören. Keramikfunde, alle Arten von Werkzeugen und Waffen, Bildwerke sowie Siegel und Siegelungen (Glyptik). Bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Funden kommt der Dokumentation und Interpretation der Fundkontexte eine zentrale Bedeutung zu.

Mit Blick auf die historischen Zeiträume (ab dem späten 4. Jt. v. Chr.) ist die VA eng mit der Altorientalischen Philologie verbunden, die sich auf der Grundlage der überlieferten Schriftquellen (Tontafeln, Inschriften) mit den Sprachen und der Geschichte Alt-Westasiens befasst.

Methoden:

Die Daten mit denen sich Vorderasiatische Archäologen/innen befassen (Funde und Befunde), werden im Zuge von archäologischen Ausgrabungen, durch Geländeerkundungen (Surveys) oder durch Verfahren der Fernerkundung (z. B. Auswertung von Satellitenbildern, geophysikalische Messungen etc.) generiert. Auch die systematische Erschließung von Sammlungsbeständen (Museen) und die fragestellungsbezogene Auseinandersetzung mit bereits publizierten Daten bildet eine Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens.

Im Zuge der Datenauswertung kommen in der VA – abhängig von der spezifischen Fragestellung–  unterschiedliche Methoden zum Einsatz: Diese reichen von der kunstgeschichtlich-ikonografischen Betrachtung bestimmter Objekte oder Objektgruppen über den Einsatz von Geoinformationssystemen bis hin zur Anwendung quantitativer Methoden. Wie in den anderen archäologischen Fächern, spielt auch in der VA der Einsatz naturwissenschaftlicher Methoden eine immer größer werdende Rolle; sei es im Zusammenhang mit der Alters- und Materialbestimmung von Funden oder bei der Rekonstruktion antiker technischer Verfahrensweisen. Zur Erklärung archäologisch beobachteter Phänomene, greifen Archäologen/innen häufig auf Konzepte und Modelle zurück, die (v. a.) im Kontext anderer Kultur- und Sozialwissenschaften entwickelt worden sind.

Forschungsthemen:

Zu den (vielfältigen) Themen mit denen sich Vorderasiatische Archäologen/innen befassen, gehören u. a.:

  • der Übergang von der aneignenden zur produzierenden und sesshaften Lebensweise (Neolithisierung)
  • die Entstehung komplex organisierter Gesellschaften, früher Städte (Urbanisierung) und Staaten
  • Siedlungsgeschichte (Entwicklung einzelner Siedlungen und ganzer Siedlungssysteme)
  • Entstehung und Gebrauch früher Informationstechnologien (z. B. Tokens, Siegel und frühe Schrift)
  • Wirtschaftsgeschichte
  • Kunstgeschichte Alt-Westasiens
  • Chronologie (Datierung, Lokalisieren von Aspekten der materiellen Kultur in der Zeit)
  • Bestattungsriten (Jenseitsvorstellungen, Gräber als Quelle für die Rekonstruktion sozialer Verhältnisse)
  • Die materielle Kultur antiker Reiche (z. B. Akkad, Reiche der Assyrer, Mittani, Elamiter, Babylonier, Urartäer)
  • Archäologische Bauforschung
  • Lebensverhältnisse und Alltagswelt (z. B. Geschlechterverhältnisse)
  • Landschaftsarchäologie (Entstehung und Veränderung von Kulturlandschaften)
  • Religiöse Vorstellungen und Ideologien
  • Archäologische Denkmalpflege

Wichtig: Seit dem Sommersemester 2024 ist das Studium nur im Rahmen der Bachelor- und Master-Studiengänge ALPHA möglich.

Berufsfelder:

Vorderasiatischen Archäologen/innen bieten sich Berufsmöglichkeiten an Universitäten (Forschung und Lehre), Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsmanagement und -koordination, an Museen sowie im Verlagswesen.

Ehemalige Professur

Ehemalige Mitarbeiter:innen

Bibliothek und Bilddatenbank

Ansprechpartner*innen: Dr. Mari Yamasaki/Emma Emine Sakal/Lena Wittmers

Die Bibliothek befindet sich in der Hegelstr. 59, 1. Stock rechts.

Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 10:00-17:00

Benutzung:

Es handelt sich um eine Präsenzbibliothek, die Bücher sind am Ort zu benutzen.

Sammelgebiete:

Der Bestand umfasst Philologie, Archäologie und die Geschichte des alten Orient.

Bilddatenbank

Die Bilddatenbank der Vorderasiatischen Archäologie dient der Recherche von Bildern für wissenschaftliche Arbeiten. Hierzu werden die Bilder gescannt und in die Datenbank eingefügt. Sie stehen den Mitarbeitern und Studenten der kulturwissenschaftlichen Fächer zur Verfügung.

Zugang zur Datenbank: https://images.ub.uni-mainz.de/search (Bitte auf der zweiten Seite den „Anmeldedienst“ verwenden)

Bei Verwendung der Bilder bitte die entsprechenden Rechte (siehe Extra-Reiter ganz rechts) angeben. Ein Verweis auf die Datenbank reicht nicht aus.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Emma Emine Sakal.

Mailinglisten Ägyptologie/Altorientalistik

Die Arbeitsbereiche Ägyptologie, Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Archäologie der JGU bieten Studierenden, Promovierenden und Interessierten die Möglichkeit, unsere Mailinglisten zu abonnieren. Um passgenaue Informationen bieten zu können, steht die erste Mailingliste exklusiv eingeschriebenen Studierenden und Promovierenden der Ägyptologie/Altorientalistik offen und bietet Abonnent*innen folgende Vorteile:

  • als erste aktuelle Informationen bezüglich des Studiums Ägyptologie/Altorientalistik in Mainz erhalten;
  • alles zu aktuellen Terminen, Terminänderungen und zusätzlichen Angeboten erfahren;
  • Stellenausschreibungen, Praktika, Einladungen zu Gastvorträgen und Veranstaltungen der Ägyptologie/Altorientalistik Mainz bekommen;
  • Informationen der Fachschaft Ägyptologie/Altorientalistik erhalten.

Alumni, Fördernde und Interessierte der Ägyptologie und Altorientalistik sind herzlich eingeladen, unsere „Interessierten-Liste“ zu abonnieren, über die Sie

  • regelmäßig Einladungen zu Gastvorträgen, Konferenzen und Veranstaltungen der Ägyptologie und Altorientalistik erhalten;
  • über Terminänderungen der Ägyptologie und Altorientalistik informiert werden;
  • und Neuigkeiten rund um die Arbeitsbereiche Ägyptologie und Altorientalistik erfahren.

Über diese Links können Sie Ihre Mailingliste abonnieren
(bitte Email mit Bestätigungslink beachten):

STUDIERENDE/GRADUIERTE (Bitte mit Ihrer Uni-Mail-Adresse eintragen)

ALUMNI/FÖRDERNDE/INTERESSIERTE

Wenn Sie die Emails nicht mehr erhalten möchten, können Sie die Mailinglisten jederzeit an gleicher Stelle abbestellen.

Besucher- und Paketadresse

Institut für Altertumswissenschaften, Vorderasiatische Archäologie
FB 07, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Hegelstraße 59 (Aareongebäude), 2. Stock
D – 55122 Mainz

Postadresse

Institut für Altertumswissenschaften, Vorderasiatische Archäologie
FB 07, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
D – 55099 Mainz

Studienberatung