Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat zwei Anträge von PD Alexander Ilin-Tomich bewilligt. Das Heisenberg-Projekt „Tradierung, historische Bezüge und funktionale Klassifikationen des Omnipräsenten in der altägyptischen Kultur“ untersucht Kulturgeschichte von Objekten und Texten, die selten als Projektionsflächen für das Interesse an der Vergangenheit betrachtet werden. Die drei Forschungsschwerpunkte umfassen die kulturellen, sozialen und historischen Faktoren der Wortwahl in den Opferformeln der 18. Dynastie, die historisierenden plastischen Merkmale und Dekorationsschemata auf den Skarabäen der 21.–26. Dynastie, sowie die Rekonstruktion kulturinterner Klassifikationen von Siegelamuletten in der ägyptischen Bronzezeit anhand von Gebrauchsspuren. Die Förderung ist zunächst für drei Jahre bewilligt und ist bei einer positiven Zwischenevaluation auf zwei weitere Jahre verlängerbar. Für das Unterprojekt „Vergangenheit und Gegenwart in skarabäenförmigen Siegelamuletten aus dem alten Ägypten und dem Sudan in der Dritten Zwischenzeit und darüber hinaus“ hat die DFG zusätzlich eine Sachbeihilfe mit einer Laufzeit von 30 Monaten bewilligt. Die Projekte werden an der Ägyptologie Mainz starten.
Das Projekt zu Siegeln, Siegelamuletten und Siegelabdrücken aus Ausgrabungen in Ägypten und dem Sudan wird durch zwei Fördermaßnahmen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert: der Heisenberg-Förderung „Tradierung, historische Bezüge und funktionale Klassifikationen des Omnipräsenten in der altägyptischen Kultur“ (2025–2031) und der Sachbeihilfe „Vergangenheit und Gegenwart in skarabäenförmigen Siegelamuletten aus dem alten Ägypten und dem Sudan in der Dritten Zwischenzeit und darüber hinaus“ (2025–2028). Das Projekt verfolgt nicht nur das Ziel, Siegelamulette und Siegelabdrücke aus Ausgrabungen zu katalogisieren, sondern befasst sich zudem eingehend mit ihrer Materialität, ihren Nutzungskontexten, dem Umgang mit historischen Vorbildern bei der Herstellung neuer Exemplare sowie den damit verbundenen Objektwahrnehmungen.
Die aktuelle erste Finanzierungsphase fokussiert sich auf Objekte aus der Dritten Zwischenzeit und der Spätzeit. In der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. erreichten ägyptische und ägyptisierende Skarabäen die entlegensten Regionen des Mittelmeerraums. Ihre Herkunft und Chronologie sind vom Interesse für diverse archäologische Disziplinen. Jedoch bleiben Skarabäen aus Ausgrabungen in Ägypten und Sudan selbst großenteils unvollständig dokumentiert und untererforscht. Das Projekt analysiert die Typologie der in Ägypten und Sudan ausgegrabenen Skarabäen aus der späten Ramessidenzeit, Dritten Zwischenzeit und Saitenzeit, basierend auf Publikationen, Archivmaterialen und einer Neuuntersuchung einer repräsentativen Stichprobe in Museen. Es wird auch erforscht, wie ägyptische und sudanesische Skarabäenproduzente Skarabäen aus früheren Zeiten nachahmten und neue, an frühere Vorbilder referenzierende Skarabäentypen erfanden, indem sie nicht nur archaisierende Inschriften und Motive anbrachten, sondern auch absichtlich plastische Merkmale früherer Skarabäen nachbildeten. Im Gegensatz zu früheren Studien zu diesem Material, die sich hauptsächlich auf Motive und Inschriften auf Unterseiten konzentrierten, betrachtet das Projekt Skarabäen ganzheitlich und berücksichtigt ihre plastischen Merkmale und kleinen Details. Das Projekt analysiert die regionale und chronologische Verteilung der Merkmale und unterscheidet dabei zwischen nachgeahmten Merkmalen und neuen Zügen.
Ägyptische und sudanesische Skarabäen enthalten wesentlich mehr Informationen, als in den Tafeln der nach wie vor als Hauptquelle für dieses Material zitierten alten Grabungsberichte zu entnehmen sei. Alle vom Projekt gesammelten Materialien fließen in eine digitale Plattform für Skarabäen aus Ausgrabungen in Ägypten und Sudan ein: Fotografien (auch neu in Museen aufgenommene), detaillierte Beschreibungen, bibliografische Angaben sowie Informationen zu Fundkontexten. Ein kontrolliertes Vokabular zur Beschreibung von Skarabäenmerkmalen und -motiven wird entwickelt, um die Dokumentation von Skarabäen verständlicher, konsistenter und universeller zu gestalten
Das Ziel dieser neuen Open-Access-Plattform ist es, als Grundlage für zukünftige Studien zu ägyptischen skarabäenförmigen Siegelamuletten und deren Abdrücken zu dienen und als Basis für den Informationsaustausch im Fach und über die Fachgrenzen hinaus.
Vorträge
07.-12.09.2026: Vanessa Boschloos und Alexander Ilin-Tomich, “Classifying scarab-shaped seal amulets from the Napatan period in a new seal database”, 16th International Conference for Nubian Studies (LMU München)
07.-12.09.2026: Posterpräsentation von Alexander Ilin-Tomich und Vanessa Boschloos, “HESES: A digital corpus of scarab-shaped seal amulets from excavations in Sudan and Egypt”, 16th International Conference for Nubian Studies (LMU München)
06.-11.08.2023: Posterpräsentation von Vanessa Boschloos und Alexander Ilin-Tomich “From Dig to Digital: The Future of Scarab Documentation“. Mit einem Preis ausgezeichnet (XIIIth International Congress of Egyptologists, Leiden Universiteit)
25.-26.11.2022: Alexander Ilin-Tomich und Vanessa Boschloos, “Beyond the most obviously interesting: Aims and methods in documenting and processing scarabs”, Excavating the Extra-Ordinary 2. Challenges & merits of working with small finds (JGU Mainz)
Publikationen
Ilin-Tomich, A., Boschloos, V., Hub for Excavated Seals from Egypt and Sudan (HESES), VÄ Newsletter. 7 (2025), 27. Open access.
Ilin-Tomich, A., Boschloos, V., Beyond the Most Obviously Interesting: Aims and Methods in Documenting and Processing Scarabs, in: Kilian, A., Pruß, A., Zöller-Engelhardt, M. (Hgg.), Excavating the Extra-Ordinary 2: Challenges & Merits of Working with Small Finds. Proceedings of the International Workshop at Johannes Gutenberg University Mainz, 25–26 November 2022. , Heidelberg 2024, 125–132. Open access.
Ilin-Tomich, A., Boschloos, V., Beyond the Most Obviously Interesting: Aims and Methods in Documenting and Processing Scarabs, in: Kilian, A., Pruß, A., Zöller-Engelhardt, M. (Hgg.), Excavating the Extra-Ordinary 2: Challenges & Merits of Working with Small Finds. Proceedings of the International Workshop at Johannes Gutenberg University Mainz, 25–26 November 2022. Heidelberg 2024, 125–132. Open access.
E-Mail-Adresse des Projekts: heses@uni-mainz.de