Die Altorientalische Philologie oder auch Altorientalistik ist die Wissenschaft von den Sprachen und Kulturen des alten Vorderen Orients. Unter Vorderer Orient sind die modernen Länder Irak, Syrien, Türkei und Iran zusammengefasst. Bekannter ist auch die Bezeichnung Mesopotamien oder  Zweistromland. Vom 4. bis ins 1. Jahrtausend v.Chr. sind unzählige Dokumente in Keilschrift entstanden, die von Forscherinnen und Forschern der Altorientalistik entziffert, übersetzt und interpretiert werden. Die meisten dieser Keilschrifttexte wurden auf Tontafeln geschrieben, aber auch Stein-, Metall- und andere Inschriftenträger sind bekannt. Ein Großteil der Dokumente wurde in den Sprachen Sumerisch, Akkadisch (Babylonisch, Assyrisch) und Hethitisch verfasst. Daneben sind noch zahlreiche Klein- und Kleinstkorpussprachen (Elamisch, Hurritisch etc.) überliefert. Die Texte bilden u.a. umfangreich die Gesellschaft, Geschichte, Religion, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Sprachen und Literaturen ab.

Forschungsschwerpunkte der Mainzer Altorientalistik liegen in der Hethitologie (z.B. DFG-Projekt „Thesaurus Linguarum Hethaeorum digitalis“) sowie durch das DFG-geförderte Projekt „Digitale Edition der Keilschrifttexte aus Haft Tappeh“ und das vorangegangene Grabungsprojekt Haft Tappeh (2015-2017) in der Elamistik.

In Mainz arbeitet die Altorientalistische Philologie eng mit der Vorderasiatischen Archäologie zusammen. Weitere Kooperationen bestehen u.a. mit den Disziplinen Alttestamentliche Wissenschaft, Informatik und Kernphysik.

An der JGU Mainz kann das Fach Altorientalische Philologie im Rahmen des B.A.-Studiengangs „Ägyptologie/Altorientalistik“ sowohl als Kern- (120 LP) als auch als Beifach (60 LP) studiert werden.

Ziel des Studiums ist der Erwerb von Grundkenntnissen zu den Kulturen des Alten Vorderen Orients und des Alten Ägypten, sowie von Spezialkenntnissen im jeweils gewählten Schwerpunkt. Im Schwerpunkt Altorientalische Philologie steht das Erlernen des Akkadischen (insbesondere des Altbabylonischen) im Mittelpunkt der Lehre. Im Kernfach werden die Studierenden zusätzlich in einer zweiten Keilschriftsprache (Sumerisch oder Hethitisch) ausgebildet. Lektürekurse, in denen die erlernte(n) Sprache(n) angewendet werden, vermitteln einen Überblick über Themen der altorientalischen Gesellschaft (Politik, Wirtschaft, Religion und Mythologie, Königtum, Gesetze und Gesetzgebung, Briefe, Alltagsleben). Innerhalb des Studiums finden regelmäßig Praxisübungen mit Abgüssen und 3D-Drucken von Tontafeln aus unserer Altorientalistischen Lehrsammlung sowie Exkursionen in Museen und Sammlungen statt.

Zusätzlich besuchen die Studierenden auch Kurse der Vorderasiatischen Archäologie, um ihren kulturgeschichtlichen Hintergrund zu stärken.

Nach einem erfolgreich bestandenen B.A.-Studium besteht für die Studierenden die Möglichkeit, ihr Wissen in einem M.A.-Studium zu vertiefen. An der JGU Mainz kann der M.A.-Studiengang „Ägyptologie und Altorientalistik“ (120 LP) studiert werden, in dem der Schwerpunkt Altorientalische Philologie gewählt werden kann.

Der weiterführende Studiengang soll dazu befähigen, die relevanten Quellen mit den Methoden der beteiligten Disziplinen wissenschaftlich zu bearbeiten, wobei insbesondere das interkulturelle Umfeld berücksichtigt wird. Die Inhalte und Ziele sind hierdurch deutlicher forschungsorientiert. Im Schwerpunkt Altorientalische Philologie wird im Verlauf des Studiums eine dritte Keilschriftsprache erlernt.

Altorientalischen Philologinnen und Philologen bieten sich Berufsmöglichkeiten an Universitäten, Museen, Forschungseinrichtungen, im Journalismus oder Verlagswesen und in der Erwachsenenbildung.

Ein qualifizierter Bachelor-Abschluss im Studiengang „Ägyptologie/Altorientalistik“ bildet zudem eine Grundlage für weiterführende Studiengänge in archäologischen, linguistischen, literarischen, historischen und medialen Wissenschaften, die zu einem entsprechenden forschungsorientierten Master-Abschluss führen.

Dr. Billy Jean Collins

Dr. Claudia Posani

Prof. Dr. Piotr Taracha

Prof. Dr. Giulia Torri

d’Alfonso, Prof. Dr. Lorenzo

Bastici, Fabio, M.A.

Bräutigam, Sven

Ceccarelli, Manuel, M.A.

Gilan, Dr. Amir

Görke, Dr. Susanne

Huber, Dr. Eva-Maria

Lepši, Maria, M.A.

Lorenz-Link, Ulrike, M.A.

Steitler, Dr. Charles

Stivala, Dr. Gabriella

Zubieta Lupo, Valeria, M.A.

Seit Oktober 2022 ist ein neues Projekt in der Altorientalischen Philologie beheimatet: Akkadische und Hethitische Emotionsbegriffe im Kontext (Untertitel: Auf dem Weg zu einem Lexikon der Emotionen in Keilschrifttexten aus dem alten Mesopotamien und Kleinasien). Das Projekt ist eine Kooperation mit der Universität in Tel Aviv, Israel – das Mainzer Team, geleitet von Prof. Dr. Doris Prechel und Dr. Ulrike Steinert, beschäftigt sich mit dem Akkadischen, das israelische unter Prof. Dr. Amir Gilan mit dem Hethitischen.

Das Forschungsvorhaben verfolgt eine umfassende Studie der semantischen Domäne von Emotionen sowohl im Akkadischen als auch im Hethitischen. Es soll systematisch erforscht werden, wie Emotionen in den beiden Sprachen linguistisch und kontextuell differenziert und abgegrenzt wurden; in die Untersuchungen werden die semantischen Eigenschaften, Ähnlichkeiten und Beziehungen zwischen verschiedenen Emotionsbegriffen, ihre Verwendung und Entwicklungen in verschiedenen Textgattungen, Perioden und Kontexten einbezogen. Mit seinem thematischen Fokus und seinem vergleichenden, korpuslinguistischen Ansatz wird das vorgeschlagene Projekt neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen philologischen und historischen Disziplinen eröffnen, den Rahmen der Altorientalistik weiter ausdehnen und ihre Relevanz hervorheben, indem es einen wichtigen Beitrag zu einem rezenten und äußerst lebendigen Forschungsfeld leistet.

Leitung: Prof. Dr. Doris Prechel, Dr. Ulrike Steinert

Wissenschaftliche Hilfskraft: Jonas Klöker B.A. (2022-2023), Letizia Savino M.A. (seit 2023)

Gefördert von der DFG (seit 2022)

Die Stadt Haft Tappeh (Kabnak) liegt etwa 15 km südöstlich der bedeutenden Stadt Susa, in der heutigen iranischen Provinz Chuzestan. Aufgrund ihrer geographischen Lage am Rande der mesopotamischen Ebene und an den Ausläufern des Zagros-Gebirges stellt die Region eine wichtige Kontaktzone zwischen Mesopotamien im Westen und dem iranischen Hochland im Osten dar.

Schon die Ausgrabungen Ezatollah Negabhans, die zwischen 1965 und 1978 durchgeführt wurden, haben neben monumentalen Gebäudestrukturen auch zahlreiche Tontafeln zutage befördert, die in der Mehrzahl administrative Vorgänge beleuchten und somit auf die Bedeutung der Stadt zu Beginn der späten Bronzezeit schließen lassen.

Die archäologischen Untersuchungen in Haft Tappeh wurden von 2001 an von Behzad Mofidi-Nasrabadi weitergeführt. Im Rahmen der Grabungskampagnen von 2005 und 2007 wurde ein Gebäudekomplex freigelegt, in dem weitere 634 Tontafeln und Tafelfragmente gefunden wurden. Die Texte sind ebenfalls administrativer Natur und in akkadischer Sprache verfasst. Sie stellen somit für die Region die letzten Zeugnisse akkadischsprachiger Administration dar, bevor sich das Elamische als Verwaltungssprache durchsetzte.

Dieser bedeutende Textfund wird im Rahmen des von der DFG geförderten Projektes „Digitale Edition der Keilschrifttexte aus Haft Tappeh (Iran)“ erstmals bearbeitet. Auf Basis von 3D-Aufnahmen wird die editio princeps in einem innovativen Ansatz dabei vollständig unter digitalen Gesichtspunkten erfolgen. Im Zuge dessen kooperiert der Arbeitsbereich Altorientalischen Philologie mit der Hochschule Mainz / Mainzed.

Leitung: Doris Prechel, Kai Christian Bruhn

Koordination: Tim Brandes

Wissenschaftliche Mitarbeiter: Tim Brandes, Timo Homburg (9/2019-2/2022)

Wissenschaftliche Hilfskräfte: Ali Zalaghi, Lukas Ahlborn

Gefördert von der DFG (2019-2023)

Die mehr als 30.000 Tontafeln und Tontafelfragmente in Keilschrift aus den Archiven der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša (Zentralanatolien) sowie aus anderen hethitischen Fundorten umfassen Texte sowohl auf Hethitisch, der ältesten belegten indogermanischen Sprache, als auch in anderen anatolischen und nicht-anatolischen Sprachen (Luwisch, Palaisch, Hattisch, Hurritisch, Akkadisch, Sumerisch) und stellen eine der reichsten und wichtigsten Textüberlieferungen des alten Orients dar. Die Transliterationen der verschiedenen Texte und Fragmente sind derzeit vor allem in der hethitologischen Fachliteratur zugänglich, und erst in geringerem Maße in Form von digitalen Editionen. Die Herausforderungen der modernen Forschung bedürfen aber einer umfassenden digitalen Sammlung, die als durchsuchbare Datenbank von Texten in Transliteration fungiert.

Dieses Desideratum der Hethitologie wird das von der DFG geförderte Projekt Thesaurus Linguarum Hethaeorum digitalis (TLHdig), an dem die Universitäten von Mainz, Würzburg, Marburg, und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz beteiligt sind, erfüllen. Ziel des Projektes ist, ein digitales, Open-Access und annotiertes Repositorium der Transliterationen aller zugänglichen Keilschrifttexte aus den hethitischen Archiven zu schaffen, das in die digitale Infrastruktur „Hethitologie-Portal Mainz“ (HPM) integriert wird und komplexe Suchfunktionen ermöglicht. Durch ein Online Creator Interface wird der Thesaurus über die geplante Projektdauer hinaus von der hethitologischen Gemeinschaft regelmäßig aktualisiert werden können. Damit wird TLHdig einen neuen Zugang zu den hethitischen Primärquellen in Transliteration eröffnen und anspruchsvolle Forschungsmöglichkeiten anbieten.

Leitung: Gerfrid G. W. Müller (ADW), Doris Prechel (JGU), Elisabeth Rieken (UMR), Daniel Schwemer (JMU)

Wissenschaftliche Mitarbeiter: Fabio Bastici (JGU), Birgit Christiansen (UMR), Björn Eyselein (JMU)

Wissenschaftliche Hilfskräfte: Paul Herdt (UMR), Gudrun Samberger (JMU), Letizia Savino (JGU)

Gefördert von der DFG (2020-2023)

Freie Universität Berlin
Uni Frankfurt
Uni Freiburg i.B.
Uni Göttingen

Uni Hamburg
Uni Heidelberg
Uni Jena
Uni Leipzig
Uni Marburg
Uni München
Uni Münster
Uni Tübingen
Uni Würzburg
Uni Bern
Uni Innsbruck
Uni Wien

Achaenenet

Ancient World Online (AWOL)

Archibab Textes
Bibliography of Mesopotamian Astral Science
The Chicago Hittite Dictionary Project
Cuneiform Commentaries Project
Cuneiform Digital Library (CDLI)
Digitale Nah- und Mitteloststudien (DNMS)
Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur (Heidelberger Akademie der Wissenschaften)

eBL
Electronic Text Corpus of Sumerian Literature (ETCSL)
Electronic Tools and Ancient Near Eastern Archives (ETANA)
Hethitologie-Portal Mainz
Keilschrift-Bibliographie online
Leipzig-Münchner sumerischer Zettelkasten (Stand: 09.2006)
Propyläum – Die virtuelle Fachbibliothek für Altertumswissenschaften

Prosobab
Publikationen des Oriental Institute of The University of Chicago
Rencontre Assyriologique Internationale (RAI)
Reallexikon der Assyriologie (RlA)
Société pour l’étude du Proche-Orient ancien (SEPOA)
Sources of Early Akkadian Literature (SEAL)
The Neo-Assyrian Text Corpus Project, Helsinki
The Open Richly Annotated Cuneiform Corpus (ORACC)
The Pennsylvania Sumerian Dictionary (ePSD)
Topoi (Excellence Cluster Frei Universität Berlin und Humboldt-Universität Berlin)
Yale University – Babylonian Collection

Am

eran Oriental Society
Deutsche Orient-Gesellschaft
Iernational Association for Assyriology
School of Oriental and African Studies (SOAS)
University of Chicago: Oriental Institute
University of Oxford: Faculty of Oriental Studies

Postanschrift
Institut für Altertumswissenschaften
Abteilung Altorientalische Philologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
D – 55099 Mainz

Besucheranschrift
Institut für Altertumswissenschaften
Abteilung Altorientalische Philologie
Hegelstr. 59
D – 55122 Mainz

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